2005-11-15

je regrette everything...

...ist der titel dieses großartigen stückes von dj hell, das aufgrund der repeat-1-funktion meines mobilen musikabspielgerätes zu meinem titelsong für diese reise geworden ist. viel zu früh aufgestanden heute morgen bzw viel zu spät ins bett gegangen gestern, der wakeup-call (ohaiogozaimasu!) holt mich direkt aus dem tiefschlaf. strahlend blauer himmer dröhnt ins zimmer, getupfte wolken und eine fernsicht die so kristallklar wie eine rodenstockbrillemitzeissmarkengläsernbrillenwerbung ist. wir wünschen ihnen noch einen erfolgreichen tag sagt die automatische stationsansagestimme der straßenbahn in hannover, wenn man zur cebit hannover messe laatzen endstation aussteigt. wieder zu viel gefrühstückt (ich kann ja aufs mittagessen verzichten, wird eh billiger), zurück ins hotelzimmer, ein marmeladenfleck auf der krawatte, herrje, was für ein belangloses scheiss-spießerproblem, ich wusste nicht, dass wasser noch fiesere flecken als marmelade auf seidenkrawatten macht, erstmal das jackett drüber und die halbe stunde verbleibende zeit für ein par e-mail genutzt, das diskursprojekt schreitet vorn, sehr schön, jetzt aber los, endlich zur konferenz, der keynote-saal halb gefüllt.

Zunächst kurze warme begrüßungsworte der präsidenten der ifsr oder wem auch immer, dann die keynote speeches. zunächst herr koji omi, mitglied des house of representatives, bis vor kurzen japanischer minister für forschung und entwicklung, berät die japanische regierung immer noch in diesem feld . er gibt einen überraschend tiefen einblick in die hochschul- und forschungsförderungspolitik japans. Kein wunder dass die unis hier so reichlich ausgerüset sind: japan fördert forschung und entwicklung mit ca. 20 milliarden dollar jährlich. Allerdings an vier wissenschaftsbereiche gekoppelt: material science, telecommunication, physics und computer and information science. Was denn mit den humanitaries sei, will ein zuhörer wissen. Naja, wenn diese sich in den genannten bereichen mit technologie beschäftigen würden, dann sicher. pragmatismus auf japanisch. ein professor aus china zitiert eine studie von nonaka, nach der die japanische wissenschaft zwar in einigen bereichen weltspitze sei, aber insbesondere in solchen forschungstätigkeiten zurück nstünde, in der kreativität und innovation gefragt sei. Ob herr omi das auch so sehen würde und wenn ja, was die japanische regierung dagegen zu tun gedenke. Herr omi lässt sich das aufwendig übersetzen, presst die lippen zu einem strich zusammen und sieht den frager aus china mit beiden händen aufs rednerpult gestützt scharf an. er würde die frage nicht verstehen. hat er aber offensichtlich doch, denn er schiebt dann nach, dass er nicht glaubge, dass kultutrelle spezifitäten der japanischen kultur einen größeren einfluss als andere faktoren auf den erfolg der japanischen wissenschaft nehmen würden. Ich frage mich, ob ich gerade zeuge der aktuellen japanisch-chinesischen krise bin.

Im anschluss tritt prof. tamito yoshida hinter das rednerpult und überrascht mich mit einer dediziert ausgearbeiteten hochkomplexen grundsatzvorlesung über die gruindprinzipien der wissenschaft, in der er das newtonsche wissenschaftsmodell grundlegend in frage stellt und ein neues postuliert. Ich lese seinen vollständig vorliegenden vortrag wort für wort mit und bin begeistert, obwohl ich aufgrund seiner ausführlichen referenzen zu konzepten aus der griechischen philosophie, erkenntnistheorie, physik und vor allem aus der biologie nur die hälfte verstehe. Unter anderem folgert er aus der genome theory, dass die der natur zugrunde liegenden machanismen sich nicht als Gesetze, sondern als Programme beschreiben lassen, die gewisse freiheitsgerade beinhalten. genau wie die phenotypischen ausprägungen eines organismus vom genotyp unter dessen realisierung unter bestimmten umweltbedingungen determiniert sind. Ferner versucht er das dilemma der trennung von wissenschaft und praxis bzw. angewandter wissenschaft aufzulösen, in dem er den terminus der designing science einführt: wissenschaft hätte immer das ziel, etwas zu gestalten und der gestaltungsfokus determiniert den gestaltungstyp. grundlagenwissenschaft gestaltet sich also (in meinem verständnis autopoietisch) selbst, während angewandte wissenschaft artefakte gestaltet. ich muss das alles noch mal in ruhe nachlesen, aber mit einem hochkomplexen ausgearbeiteten wissenschaftstheoretischen grundlagenvortrag hätte ich hier wirklich nicht gerechnet. ich bin positiv überrascht.

In der anschließenden kaffeepause wiedersehen mit sugiyama sensei, meinem gastprof am JAIST diesen sommer. er freut sich tierisch über die flasche riesling, die ich ihm mitgebracht habe. die 7 eur in die aufwendige holzkiste waren eine gute investition, wir verabreden uns zum lunch. erse vorträge, erstaunlich interdisziplinär. ein biologe vergleichr das verhalten von zellen im menschlichen körper mit dem verhalten von akteuren in gesellschaften. Dr. Gregory von der university hull hält einen vortrag über ein modell über organisationalen wandel, das sie mit hilfe von luhmanns systemtheorie verbessern will. luhmann, ich bin angetan. Der britische prof vom vorabend referiert über die absurditäten im bisher erfolglosen versuch der britischen regierung, ein programm zur entsorgung nuklearer abfälle aufzulegen.

lunch mit sugiyama. er wollte einen beitrag zu einem graphentheoretischen paper leisten, das hatten wir bei meinem aufenthalt am jaist im sommer besprochen. ich spreche ihn darauf an, er hats vergessen. ich kanns nicht glauben. es ist ihm so unangenehm, dass er mich sofort für abends zum essen einlädt.

nachmittags stellt eine jaist-studentin in unfassbar schlechtem englisch ihre diss vor: sie versucht das individuelle verhalten von individuen mit agenten zu modellieren, die mit persönlichkeitaspsychologischen konzepten füttert, die sie in genetische algorithmen überführt. ich verstehe nicht viel von dem was sie sagt aber es klingt sehr spannend.

Der tag verstreicht eher ereignislos; nach dem letzten vortrag nimmt sich sugiyama.sensei sofort meiner an. im schlepptau noch prof. hori vom jaist sowie zwei studentin, darunter auch die mit den agentenmodellen. prof. hori hat früher in der gegend um kobe gewohnt und führt uns zielsicher in ein yakitori-restaurant, wo ich zu eibem exzellenten yakitori-menü eingeladen werde, wir tafeln zwei stunden, dann zurück ins hotel. auf diese weise bin ich auch elegant (und kostengünstig) um einen abstecher in die hostessenclunbszene kobes herumgekommen. ich fahre mit dem portliner zurück nach portisland und gehe schlafen, denn schließlich muss ich morgen früh meinen ersten vortrag halten.

Der wecker klingelt um 7.20h und ich genieße ein weiteres japanisches frühstück im hotelrestaurant: miso-suppe, reis, gebratener fisch, salzig eingelegte pflaumen, japanisches omlette. Das nato (fermentierte sojasprossen), das sich die japaner zum frühstück in den reis rühren, fasse ich nicht an. es schmeckt so, wie kräftiger schimmelkäse für jemanden schmecken muss, der in seinem leben noch nie käse gegessen hat.

in der ersten session hält sugiyama zuerst seinen vortrag und er zitiert mein wissensmodell in extenso, ich bin ganz stolz. dann bin ich dran und stelle mein paper über die verknüpfung des seci-modells mit dem multi-modalen gedächtnismodell nach engelkamp und zimmer vor. Dr. gregory ist auch unter den zuhörern und gibt ganz doll positives feedback, ich erröte. Sugiyama verabschiedet sich und dann begegne ich jose. Jose aus spanien, 31, graphentheoretiker, in den letzten zügen seiner diss am jaist. seine gegenwart habe ich am jaist immer ganz besonders genossen. wir lunchen zusammen und bringen uns auf den neuesten stand, im anschluss eine weitere session, dann bin ich wieder dran und stelle die skillMap vor. es läuft wie am schnürchen, ich komme gut mit der zeit hin und habe ausführlich gelegenheit, das system zu demonstrieren. Es hagelt nachfragen, vor allem von dr. gregory. Am interessantesten aus meiner sicht die nachfragen von einer gruppe vom institute of Systems Science der Chinese Academy of Sciences um Dr. Xijin Tang. Dort beschäftigt man sich seit über zwei Jahren mit der Unterstützuing von gruppenprozessen durch mapping von personen und themen. Die gruppe hat dazu auch ein system mit dem titel Group Augmentation Environment entwickelt.

Das tool soll die zusammenstellung von gruppen erleichtern und stellt personen und themen grafisch dar, wobei die nähe von personen zueinander engere soziale beziehungen darstellt und begriffe in der nähe von personen autorenschaft symbolisiert. Das ganze ist zwar etwas rudimentär aber vom ansatz her dem unsrigen nicht unähnlich. Dr. Tang habe ich als sympathische und aufgeschlossene junge Wissenschaftlerin erlebt, die uns herzlich dazu aufgefordert hat, zur KSS 2006 (Knowledge and Systems Science) in Peking, die von der Chinese Academy of Sciences gehostet wird, einzureichen.

Nach der session steht das soziale highlight der konferenzu auf dem programm: der dinner cruise! mit 4 reisebussen geht es vom tagungsort zum pier aber noch kein schiff weit und breit. Ich stehe mit jose am wasser, wir frieren. ir reden über meine zeit am jaist, darüber, wie viele ausländer doch auch und vor allem wegen der weiber nach japan kommen. jose meint, ich hätte es in der beziehung ja eher ruhig angehen lassen im sommer; ich sehe mich, die implizite lüge vermeiden wollend, die eine andere antwort beinhaltet jhätte, dazu veranlasst, ihm zu erklären, dass ich nicht im selben team spiele wie er. Hätte ich ihm das früher erzählt sagt er, er hätte mich in kanazawa ein paar leuten vorstellen können. ich bin gerührt, das schiff läuft ein. die concerto, ein vergnügungsdampfer der deutlich größer ist, als ich erwartet habe. wir boarden.

gedränge, und erst auf dem schiff bemerke ich, dass an unseren tickets kleine papierschnipsel mit buchstaben angetackert sind. alle haben A und werden deshalb in den großen festsaal in den bauch des schiffes gelotst, nur auf joses und meinem ticket steht ein C. und so werden wir in die 'diamond lounge' auf dem oberdeck geführt. ein separee für vielleicht 20 personen mit schweren weißen tischdecken, kronleuchtern, einem eigenen buiffet, sofaecke, und einer eigenen klavierspielerin! ich halte das zunächst für einen irrtum, vom gefühl her sollten hier nur professoren sitzen, aber jose zwinkert mir zu. da fällt mir ein, dass ich das ticket ja von akiko bekommen habe, mit ihr hatte ich im sommer eine gute zeit und sie ist ja im organisationskomittee dieser konferenz... und tatsächlich, sie hat einen großteil der ausländerclique in die lounge gemogelt, großartig! während unten noch reden gehalten werden, die über lautsprecher zu uns übertragen werden, stürzen wir uns aufs buffet. eile ist geboten, dennn laut programm geht der cruse von genau 19.20h bis 21.05h. so absurde programmzeiten gibt es wahrscheinlich nur in japan, aber um es gleich vorweg zu nehmen: um punkt 21.05h legen wir wieder an. Aber vorher speisen wir königlich, geizen nicht mit dem rotwein und genieße4n die aussicht aufs nächtlich erleuchtete kobe.

zurück am pier sind wir in feierlaune und beschließen, noch in eine bar zu gehen. der bus bringt uns nach sannomiya, wo jose, akiko, shoko und wie-heisst-sie-doch-gleich eine nette bar ansteuern. ohne dass es abgesprochen gewesen wäre bestellen wir alle harte sachen, cuba libre, gin tonic, whiskey... wir bleiben bis 2 und stellen uns ordentlich einen rein. lampen an, ganz großer spaß. shoko, akiko und ich teilen uns das taxi zurück nach port island. ich taumle ins bett. was für ein tag.

Am nächsten morgen komme ich nicht wirklich pünktlich hoch, zur ersten session bin ich zu spät und das frühstück im hotel musste auch ausfallen.

3 Comments:

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